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Gauck lebt seit 12 Jahren mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, einer Nürnberger Journalistin, zusammen. Im Jahr 1991Renate hatte sich Gauk von seiner Frau getrennt, sich aber bislang nicht von ihr scheiden lassen. Main-Echo-Redakteurin Renate Englert sprach mit Geis über Katholizismus, Lebensumstände und -wirklichkeit.
Gibt es an Gauck etwas auszusetzen?
Ich halte Herrn Gauck für einen guten Kandidaten und hoffe sehr, dass er ein guter Bundespräsident wird. Dann ist er aber nicht mehr nur Privatmann, sondern ein Repräsentant des ganzen Volkes. Es ist eine Überlegung wert, ob er nicht - wie er es eh schon überlegt hat - seine Lebensverhältnisse in Ordnung bringt und seine Lebensgefährtin heiratet. Es geht darum, dass er eine breite Akzeptanz findet.
Sie fordern Herrn Gauck also nicht zur Heirat auf?
Nein, ich habe ihm keine Ratschläge zu erteilen.
Was sind für Sie geordnete Lebensverhältnisse?
Es ist nicht ganz gewöhnlich, dass jemand nicht geschieden ist und schon seit sehr langer Zeit mit einer Freundin zusammenlebt. Als Privatmann spielt das keine Rolle. Aber als Repräsentant des ganzen Volkes kann man sich überlegen, ob es nicht besser wäre, auch in dieser Hinsicht für geordnete Lebensverhältnisse zu sorgen. Als Bundespräsident muss er im In- und Ausland repräsentieren. Da wäre es gut, wenn neben ihm seine ihm angetraute Frau stünde und nicht »nur« die Lebensgefährtin.
Ist es aus Ihrer Sicht problematisch, dass der künftige Bundespräsident ein evangelischer Theologe ist?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich erhoffe mir sehr viel davon.
Die Kanzlerin und der künftige Bundespräsident sind aus Ostdeutschland und evangelisch. Spiegelt das unsere Gesellschaft treffend wider?
Man sollte versuchen, zwischen den beiden Konfessionen ein ausgewogenes Verhältnis hinzubekommen. Aber das spielt heute nicht mehr die Rolle wie in den 50er und 60er Jahren.
Was die ostdeutsche Herkunft betrifft: Das sehe ich nicht als Knackpunkt. Die Wiedervereinigung war vor über 20 Jahren. Zwischen Ost- und Westdeutschland muss kein Proporz bestehen.
Der Einfluss des Katholizismus auf die Politik geht zurück. Wie will der Kardinal-Höffner-Kreis, dem Sie angehören, dagegen vorgehen?
Wir haben schon Einfluss, aber die Zahl der Gläubigen geht sowohl bei der katholischen als auch bei der evangelischen Kirche zurück. Wir leben in einer pluralistischeren Gesellschaft als früher. Aber gerade in einer pluralistischen Gesellschaft ist es wichtig, dass man seine eigenen Vorstellungen in die Diskussion einbringt, sonst gehen sie unter.
Christian Wulff war in zweiter Ehe verheiratet. Er ist katholisch, seine Frau evangelisch. Gibt es daran Ihrer Meinung nach etwas auszusetzen?
Nein, überhaupt nicht. Wulff hat sich scheiden lassen und wieder geheiratet und damit eine gewisse Ordnung deutlich gemacht.
Scheidung und Wiederverheiratung sind also die Lebenswirklichkeit?
Für mich persönlich kann ich das ablehnen. Aber in Gesellschaft und Politik muss ich diese Lebenswirklichkeit akzeptieren.
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