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15.09.2011 00:00 Uhr 0 Kommentare

32 Milliarden für Pillen, Salben und Tropfen

Arznei-Report: Experten sehen großes Sparpotenzial

Berlin Die gesetzlichen Krankenkassen könnten bei den Arzneimitteln ohne Nachteile für Patienten 8,1 Milliarden Euro sparen. Dazu müssten die Ärzte laut Arzneiverordnungs-Report 2011 verstärkt auf preiswertere Medikamente umsteigen. Die nach wie vor oft hohen Arzneipreise in Deutschland müssten zudem insgesamt sinken.

Teure Pillen. Foto: dpa
Das für 2010 errechnete Sparpotenzial mache fast ein Drittel des Gesamtumsatzes für Arzneimittel aus, sagte Herausgeber Ulrich Schwabe gestern in Berlin.
Allein 4,1 Milliarden Euro könnten die Beitragszahler laut den Experten sparen, würden die Preise für die Medikamente, die durch Patente geschützt sind, auf britisches Niveau gesenkt. »Wir müssen so weit heruntergehen wie in Großbritannien«, verlangt Schwabe. Sein Arzneimittelreport gilt seit Jahren als Standardwerk der Branche.
So koste beispielsweise ein Medikament wie Humira gegen Arthritis mit 4393 Euro pro Packung in Deutschland fast doppelt so viel wie in England. Bei Generika - also Nachahmer-Präparaten nach Auslaufen des Patentschutzes - könnten 3,3 Milliarden Euro gespart werden, wenn britische Preise herangezogen würden.
Anstieg abgeschwächt
Insgesamt seien die Arzneimittelausgaben 2010 deutlich schwächer gestiegen als im Vorjahr - nämlich um ein Prozent auf rund 32 Milliarden Euro. Ärzte, Zahnärzte und Kliniken hätten größere Kostenschübe verzeichnet. Trotz jahrelanger Mahnungen verordnen die Ärzte laut Report nach wie vor massiv teure Arzneimittel, wie Mitherausgeber Dieter Paffrath sagte. Dabei seien günstigere Varianten ohne Nachteile für die Patienten auf dem Markt.
Der Arzneimittelpolitik der Koalition stellten die Experten ein überwiegend gutes Zeugnis aus. Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (Amnog), das zu Jahresbeginn in Kraft trat, könne hohe Preise für neue Mittel ohne echten Zusatznutzen künftig weitgehend verhindern. »Das Amnog bietet alle Chancen, das Preismonopol der Pharmaindustrie zu brechen«, sagte der designierte AOK-Verbandschef Jürgen Graalmann.
Die Hersteller müssen den Zusatznutzen dieser Mittel gegenüber bisherigen Mitteln nun nachweisen - und der Preis richtet sich dann nach diesem Mehrwert. Krankenkassen und Hersteller sollen darüber verhandeln. Gibt es keinen Zusatznutzen, wird das Medikament unter gültige Obergrenzen für die Bezahlung durch die Kassen einsortiert. In ersten Fällen hätten Hersteller frisch eingeführte Mittel bereits vom Markt genommen oder mangels Erfolgsaussichten auf eine Nutzenbewertung verzichtet, sagte Graalmann.
Problemfall Generika
Bei Generika gebe es gegen hohe Preise aber weiter keine vergleichbare Handhabe, bemängelte Schwabe. Zweifel meldeten die Experten zudem daran an, dass das Amnog schnell bei den vielen Mittel greift, die schon länger zu hohen Preisen unter Patentschutz auf dem Markt sind.
Die Geschäftsführerin des Pharmaverbands vfa, Birgit Fischer, sprach sich für eine konstruktive Debatte darüber aus, »wie Innovationen und eine nachhaltige Finanzierung in Einklang zu bringen sind«. Der Sprecher des Kassenverbands, Florian Lanz, versicherte, die Preisverhandlungen gingen im Januar richtig los. »Wir werden an den Kosten sparen und nicht an der Versorgungsqualität.« Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie kritisierte die Studie als wissenschaftlich fragwürdig. dpa

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