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08.02.2012 08:05 Uhr 0 Kommentare

Berühmte und umstrittene Werke von Gerhard Richter

Köln (dpa) Gerhard Richter steht jeden Tag im Atelier und ist seit nunmehr fast 60 Jahren künstlerisch tätig. So ist ein ungeheuer umfangreiches Oeuvre entstanden. Von einigen Werken steht jetzt schon fest, dass sie zu Ikonen der Kunstgeschichte geworden sind:
Tante Marianne
Der Besitzer des Gemäldes «Tante Marianne» von Gerhard Richter aus dem Jahr 1965, Pierre T.M. Chen aus Taiwan. Foto: Matthias Hiekel

«Tante Marianne» (1965), Privatbesitz (Asien). Das Doppelporträt, nach einem Foto gemalt, zeigt Richters Tante Marianne Schönfelder mit einem Baby - dem vier Monate alten «Gerd» selber. Im Strampler und mit Rassel liegt er vor ihr auf einem Paradekissen. Das Bild erscheint zunächst wie ein beliebiges Foto aus dem Familienalbum. Dahinter verbirgt sich jedoch eine furchtbare Geschichte: Tante Marianne war schizophren und wurde von den Nazis zunächst zwangssterilisiert, dann getötet. Wenn der kleine Gerd Dummheiten machte, drohte ihm die Mutter: «Du endest wie Tante Marianne!» Später heiratete Richter die Tochter des ehemaligen SS-Arztes Heinrich Eufinger, der selbst an den Zwangssterilisierungen beteiligt war. So kreuzen sich in Richters Familiengeschichte die Linien von NS-Opfern und Tätern.

«Ema - Akt auf einer Treppe» (1966). Museum Ludwig, Köln. Das Bild gilt heute als eines der schönsten Werke Richters, doch 1966 war es ein Skandal. Eine schöne nackte Frau zu malen - das war reaktionär, das hatten in Deutschland zuletzt die Nazis gemacht. Das Bild erschien wie eine Trotzreaktion auf ein Schlüsselwerk der Moderne, Marcel Duchamps «Akt, eine Treppe herabsteigend» (1912), das den Bewegungsablauf einer Figur stark abstrahiert zusammenfasst. Richters Bild dagegen sieht aus wie ein unscharfes Foto. Der Direktor der Berliner Nationalgalerie lehnte es denn auch mit der Begründung ab: «Ich sammle keine Fotos, sondern Malerei.» Tatsache ist: Seit diesem Bild haben viele Künstler wieder angefangen, Akte zu malen. Die Frau auf dem Bild - Richters erste Frau Ema (eigentlich Marianne Eufinger) - ist heute weltberühmt. Sie selbst hat allerdings seit ihrer Scheidung vor 30 Jahren mit «Herrn Richter» abgeschlossen und betrieb zuletzt einen Secondhandshop im Rheinland.

«18. Oktober 1977» (1988), Museum of Modern Art, New York. Dieser Gemäldezyklus aus 15 Bildern über die RAF ist Richters umstrittenstes Werk. Der Titel bezieht sich auf die «Todesnacht von Stammheim», als Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihrer Zelle Selbstmord begingen. Die Bilder sind alle von Schwarz-Weiß-Fotos abgemalt, überwiegend Polizei- und Pressefotos. Kritiker werfen Richter vor, den Terrorismus zu verharmlosen, weil er nur die Täter, aber kein einziges Opfer wie zum Beispiel Hanns Martin Schleyer gemalt hat. Richter selbst sagt, er wolle die RAF mit den Bildern weder verurteilen noch entschuldigen. Seine Bilder sind dokumentarisch-distanziert. Er berichtet eher, als dass er kommentiert. Die Deutung überlässt er dem Betrachter.

Ema - Akt auf einer Treppe
Gerhard Richters Gemälde «Ema - Akt auf einer Treppe» in der Ausstellung «Bilder einer Epoche» im Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Foto: Ulrich Perrey


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