Der anrührende Film über eine Zwölfjährige in Südafrika ist eine deutsche Co-Produktion und läuft in der Nebenreihe «Un certain regard». Kulturstaatsminister Bernd Neumann lobte am Dienstag auch gleich die Erfolge der deutschen Filmwirtschaft, und am Abend zuvor hatte sich die Branche bei einer Strandparty selbst gefeiert.
Oliver Schmitz («Paris Je T'Aime»), Sohn deutscher Einwanderer in Südafrika und inzwischen in Berlin lebend, erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Chanda, die nach dem Tod ihrer kleinen Schwester gegen böse Gerüchte, Aberglauben und Vorurteile kämpfen muss. Und trotz des ganzen Leids um sie herum, behält sie ihren Lebensmut - auch nachdem ihre Freundin von Freiern brutal zusammengeschlagen wird, und selbst dann, als sie begreift, dass ihre Mutter an Aids sterben wird.
Die 1996 in Südafrika geborene Khomotso Manyaka spielt die tapfere Heldin Chanda überzeugend, ohne pathetisch zu wirken. Stattdessen bewahrt sie sich etwas kindliches, die Lebenslust eines Teenagers, auch wenn sie Verantwortung für ihre Geschwister, ihre Mutter und ihre Freundin übernehmen muss und damit auch noch auf die Ablehnung der Dorfbewohner trifft.
Der Deutsche Oliver Stoltz hat den Film produziert, deutsches Geld hat ihn ermöglicht - wie so viele andere Beiträge der Festspiele auch. Dazu gehört der Wettbewerbsfilm «Mein Glück» des seit Jahren in Deutschland lebenden Ukrainers Sergei Loznitsa. «Der Gradmesser für den Erfolg des deutschen Films sind doch die Beteiligungen», sagt Kulturstaatsminister Neumann am Nachmittag. Ob Deutsche im Wettbewerb vertreten sind, besage «erstmal gar nichts». Und so konnte sich Neumann auch einen Seitenhieb auf den künstlerischen Festival-Leiter Thierry Frémaux nicht verkneifen: «Der scheint sich als Lokalpatriot zu begreifen und nominiert erstmal französische Filme.» Zudem lade er stets «alte Bekannte» zu dem Festival ein.
Alte Bekannte allerdings zieht es auch aus Deutschland immer wieder an die Croisette: Volker Schlöndorff, der in Cannes erstmals den Directors Cut seiner «Blechtrommel» aus dem Jahr 1979 präsentiert, war am Tag zuvor ebenso zum Empfang des Medienboard Berlin-Brandenburg gekommen wie Matthias Schweighöfer. Der scherzte auch beim abendlichen Empfang von German Films. Dort zeigte sich zudem Nora von Waldstätten, die in der deutschen Co-Produktion «Carlos» in Cannes zu sehen ist, ebenso wie Mario Adorf, der allerdings nur aus dem benachbarten Saint Tropez angereist war.
Doch bei all dem Jubel der Deutschen feierten sich auch andere Filmemacher am Dienstag an der Croisette: Der Franzose Xavier Beauvois stellte «Des Hommes Et Des Dieux» vor. Der Wettbewerbsfilm erzählt die wahre Geschichte von französischen Mönchen, die im nordafrikanischen Atlas-Gebirge in die Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Franzosen geraten. Auch diesen Film bejubelte das Publikum stürmisch.
Ein geschicktes Verwirrspiel präsentierte der iranische Regisseur Abbas Kiarostami, der 1997 bereits in Cannes die Goldene Palme für «Der Geschmack der Kirsche» gewonnen hatte: In seiner ersten Produktion außerhalb seiner Heimat, «Certified Copy», beobachtet er Juliette Binoche als Kunstsammlerin in der Toskana. Sie trifft dort auf einen englischen Schriftsteller. Gemeinsam lassen sie sich durch den Tag treiben. Sie reden viel, philosophieren über das Leben und geben mit der Zeit vor, ein Paar zu sein. Die Dialoglastigkeit macht diese verzwickte Liebesgeschichte allerdings schnell ermüdend.











































