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03.11.2009 12:00 Uhr 0 Kommentare

«Stromberg» mobbt den «Mikrowellen-Mongo»

Hamburg (dpa) Mann, ist der Mann ätzend. Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg, der stellvertretende Leiter der Abteilung Schadensregulierung bei der Capitol Versicherung, startet bei ProSieben am Dienstagabend (22.15 Uhr) in zehn neuen Folgen noch einmal durch und will wieder nach oben.
Christoph Maria Herbst
Christoph Maria Herbst wieder als «Stromberg» bei ProSieben.

«Der Papa wird hier bald Chef», bellt er jedem, der es nicht hören will, entgegen. Karriere, sülzt er weiter, ist wie die Tour de France. «Entweder Du fährst mit Schweineblut oder mit Windschatten - immer so knapp hinterm Arsch vom Vordermann.» Auf seinem unaufhaltsamen Weg auf der Karriereleiter ist kein Hindernis zu groß. Der Kantinenkoch ist dabei das kleinste Problem. Vor ihm quetscht Stromberg mit bloßer Hand den Heidelbeerkuchen aus und kommentiert total arrogant: «Schmeckt wie Oma unterm Arm.» Der Bürohengst empfiehlt dem «Kantinen-bin-Laden» oder «Mikrowellen-Mongo», wie Stromberg den glatzköpfigen Küchenmeister nennt, sich selber ins heiße Wasser zu stellen und als Würstchen servieren zu lassen. «Und die grünen Bohnen verkaufst Du wohl als Froschschenkel, wie?»

Stromberg wäre nicht Stromberg, würde er mit solchen Entgleisungen nicht ganz fürchterlich gegen die Wand fahren. Denn wenig später offenbart sich, dass der Kantinenchef kein geringerer als der Cousin eines Vorstandsmitglieds ist, und schon läuft die Beschwerde gegen Stromberg - die Karriere des profilneurotischen Schwätzers wird zur Hängepartie. Die widerliche Hauptfigur, in der jeder Zuschauer Züge von sich selbst entdecken kann, ist für Hauptdarsteller Herbst ein «masochistischer Anteil in mir, zu dem ich stehe», wie der 43-Jährige zugibt.

«Stromberg», inzwischen in der 4. Staffel angelangt, hing länger am seidenen Faden, ähnlich wie Strombergs Karriere, denn die Quoten waren nie überzeugend. Dafür wurde das dokumentarisch wirkend gedrehte Material bereits 130 000 Mal als DVD verkauft, wie ProSieben zu berichten weiß. «ProSieben setzt am wenigsten Gewicht auf die nüchternen Zahlen», sagt Produzent Ralf Husmann von der Firma Brainpool, der selbst bei Stromberg das «Miteinander von Tragik und Komik» bewundert. «Man verlässt sich beim Sender darauf, was man gut findet und vertraut auf eine langfristige Entwicklung.»

Die Originalvorlage der Serie stammt aus England und heißt «The Office». Aber von diesem Vorbild hat sich Stromberg weit entfernt und hat seine eigenen Konturen entwickelt. Der deutsche Bürochef ist nicht so wie sein britischer Kollege ein Faxenmacher und großer Komiker. Er prahlt und wettert in einem Großraumbüro, in dem jeder seine eigenen Probleme wälzt und seinen eigene Variante von Eskapismus herausgebildet hat, um der Willkür des widerlichen Chefs zu entgehen. Dabei ist der, sagt Husmann, eigentlich ein ganz einsamer Mensch auf der Suche nach Anerkennung.

Eine nächste Staffel von «Stromberg» ist derzeit nicht in Planung. Vielmehr arbeitet die Produktion an der Vorbereitung eines Kinofilms. Husmann kümmert sich um die Finanzierung, die auch aus Fördermitteln zustande kommen soll. In den Sternen steht jedoch die Zukunft der zweiten Brainpool-Serie für Sat.1: «Der kleine Mann» lief bei ProSieben nach Quoten unter den Erwartungen. Doch Husmann hofft auf die Wiederholung. Wenn dann die Marktanteile im Vergleich zur Premiere steigen, ist die Chance auf eine Fortsetzung deutlich höher.



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