Jetzt macht er etwas ganz anderes: «Das ist keine neue Rolle, das bin ich», sagt der 47-Jährige und wirkt dabei fast schüchtern. «Ich bin ein sehr scheuer Mensch, was Kameras angeht und Interviews und so. Für mich, als Sebastian Koch, sich da einfach hinzustellen, das war schon was Neues.» Ab Sonntag (19.30 Uhr) präsentiert er als eine Art TV- Reiseführer den ZDF-Doku-Dreiteiler «Terra X: Superbauten».
Spannend und lebendig erzählt der in Berlin lebende Schauspieler Geschichten rund um den Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein und die Dresdner Frauenkirche - die beliebtesten und bekanntesten deutschen Bauwerke. Die Zuschauer nimmt Koch in den 45-minütigen Sendungen (jeweils sonntags) auch immer mit hinter die Kulissen. Der erste Teil handelt von der gotischen Kathedrale in Köln, die Koch «wunderschön» findet. «Ich war als Kind von der Westfassade beeindruckt.» Von den drei Bauwerken habe er vor dem TV-Projekt aber nicht mehr gewusst als der Durchschnittsmensch. «Das war auch das Gute daran, frisch entdecken zu können.»
Für seine Rolle als entführter Industrieller Richard Oetker («Der Tanz mit dem Teufel») und als Klaus Mann im Fernseh-Dreiteiler «Die Manns» von Heinrich Breloer bekam Koch 2002 gleich zweimal den Adolf- Grimme-Preis. Zuletzt überzeugte er als brutaler Kapitän Wolf Larsen im ZDF-Zweiteiler «Der Seewolf». Dass der Filmprofi jetzt Neuland betritt, habe mit seinem Interesse an Architektur zu tun. Und auch an den faszinierenden historischen Figuren «zwischen Genie und Wahnsinn, die diese Superbauten geplant haben».
Im Kölner Fall war das Meister Gerhard, der mit Zeichenstift und Senkblei perfekt und millimetergenau im 13. Jahrhundert den Koloss plante und eine gut 630-jährige Baugeschichte in Gang setzte. Und der Kunsthändler Sulpiz Boisserée, der nach 300 Jahren Baupause für eine Fortsetzung der Arbeiten sorgte. Sogar Johann Wolfgang von Goethe wurde als Fürsprecher gewonnen. Die lange unbeachtete Ruine stieg zu einem Vorhaben von nationalem Interesse auf, für das der preußische König die Hälfte der Baukosten spendierte.
In Teil zwei widmet sich Koch am 21. März dem Prunkschloss Neuschwanstein, für das König Ludwig II. von Bayern im 19. Jahrhundert mit dem gerade erfundenen Dynamit eine Bergspitze absprengen ließ. Eine Woche später geht es im ZDF um die Frauenkirche in Dresden und den mutigen und hartnäckigen Ratszimmermeister George Bähr, ohne den 1730 wohl auf halber Strecke Schluss gewesen wäre mit dem protestantischen Sakralbau.
Die ganze Welt beneide Deutschland um diese «ikonischen Wahrzeichen», heißt es vom ZDF. «Diese drei Superbauten kann man getrost deutsche Weltstars nennen. Und einen vierten haben wir hinzugeholt.» Film-Autor Christian Twente bekannte, als Koch sich sehr schell zu Präsentation und Sprecherrolle entschlossen habe, sei ihm «ein Stein vom Herzen gefallen». Es sei schwierig, eine Doku über Gebäude «nicht zu Stein werden zu lassen». Szenen, etwa aus dem Mittelalter in Köln, sind zur Auflockerung nachgespielt worden.
Sebastian Koch - viele kennen ihn als ausspionierten DDR-Autor im Stasi-Thriller «Das Leben der Anderen» - ist auf den Geschmack gekommen. Und er will auch jüngere Leute ansprechen, wie der Vater einer Tochter im Teenager-Alter sagt. Was sich erst befremdlich- merkwürdig angefühlt habe - direkt in die Kamera schauen, die Zuschauer ansprechen und auf Dachstuhl, in unterirdische Gewölbe oder des Königs Lieblingsräume mitnehmen - habe ihm viel Freude bereitet: «Das hat sehr viel Spaß gemacht, und ich könnte mir vorstellen, das auch weiter zu machen.»





































