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22.11.2009 12:05 Uhr 0 Kommentare

Knopps ZDF-Redaktion Zeitgeschichte wird 25

Mainz (dpa) Die von Guido Knopp geleitete ZDF-Redaktion Zeitgeschichte feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Bekannt wurden der Geschichtslehrer der Nation und sein Team mit einer Vielzahl von Dokumentationen vor allem zum Nationalsozialismus - oft zur besten Sendezeit.
Guido Knopp
Guido Knopp hat dem Kreml Staubsauger beschert.

Am 28. Januar 2010, einen Tag vor seinem 62. Geburtstag, erhält Knopp in New York den undotierten Ehrenpreis "Lifetime Achievement Award" der internationalen Gesellschaft der Geschichte-TV-Produzenten ("History Makers"). Der Historiker mit Professorentitel, der in Mainz wohnt und die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte seit ihrer Gründung 1984 leitet, spricht im dpa-Interview über Erfolge und Kritik sowie über Pläne für die kommenden Jahre und deutsche Staubsauger für den Kreml.

Können Sie uns zum Jubiläum ein paar Zahlen nennen?

Knopp: «Gestartet sind wir am 6. Dezember 1984 mit der Sendung «Damals» zu Hitlers letzter großer Schlacht, der Ardennen-Offensive 1944. Seitdem hat es über 1000 Sendungen gegeben. Einige sind in bis zu 150 Ländern ausgestrahlt worden. Wir haben rund 50 Fernsehpreise bekommen. Am 6. Dezember 2009 laufen im ZDF zwei Jubiläumssendungen unserer Redaktion.»

Was hat sich in den 25 Jahren geändert?

Knopp: «1984 galten historische Dokumentationen noch als ein Experiment. Heute dagegen sind sie fest im deutschen Fernsehen etabliert. Der filmische Besinnungsaufsatz hat ausgedient. Erzählen statt Berichten, Erleben statt Erfassen, Zeitzeugen statt Strukturen - das erwarten unsere Zuschauer. Ohne Spannungsbögen, Formenvielfalt und Musik geht es nicht mehr. Und die persönlichen Geschichten hinter der Geschichte machen das Geschehen oft erst begreifbar. Erfolgreich sind vor allem Sendereihen und Biografien, zum Beispiel "Hitlers Helfer", "Kanzler - Die Mächtigen der Republik" und "Die Königskinder".»

Was sagen Sie zur Kritik mancher Historiker, Ihre Sendungen seien unwissenschaftlich, oberflächlich und reißerisch?

Knopp: «In Deutschland bekommt man das Mitleid geschenkt, aber den Neid muss man sich verdienen. Einfach darstellen heißt nicht falsch darstellen. Wir machen keine Spezialsendungen für Fachhistoriker, sondern für ein Millionenpublikum. Das ist auch eine demokratische Aufgabe. Außerdem produzieren wir kaum eine zeitgeschichtliche Sendung ohne die Beratung von ausgewiesenen Historikern. Bei der Reihe «Die Deutschen» haben fast 30 Experten mitgewirkt. Manche Sendereihen wie etwa «Die Wehrmacht» sind auch aus aktuellen Forschungsergebnissen hervorgegangen.»

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Schulen aus?

Knopp: «Wir sind nicht die Schule der Nation, aber die Kooperation mit Schulen ist sehr eng. Wir haben 2008 begonnen, begleitend zu unseren Sendereihen eigene Programme ins Internet für den Geschichtsunterricht zu stellen. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands bewertet das sehr positiv. Die Übermittlung von Informationen läuft gerade bei der Jugend in hohem Maße über Bilder.»

Was sind Ihre Pläne für die kommenden Jahre?

Knopp: «Die Reihe "Die Deutschen" setzen wir fort. 2010 wollen wir einen Film senden, der zeigt, welche Hürden auf den Weg zur deutschen Einheit 20 Jahre zuvor zu überwinden waren und dass der Erfolg keineswegs sicher war. 2011 planen wir zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September eine fünfteilige Reihe zur Geschichte des "Heiligen Krieges".»

Können Sie noch eine Anekdote erzählen?

Knopp: «1990 hatten wir mit dem Sowjetischen Fernsehen eine Live-Diskussion zu 20 Jahren Moskauer Vertrag im Kreml organisiert. Dort wollte ich unbedingt in den historischen Katharinensaal, wo jener Vertrag zur Anerkennung der Grenzen von Polen und Deutschland 1970 auch unterzeichnet worden war. Das hatte vorher noch kein westlicher Fernsehjournalist geschafft. Mein Produktionsleiter Josef Stader fand aber heraus, was dem Kreml wirklich fehlte: Staubsauger. Wir besorgten extra aus Deutschland 20 Stück - und kamen tatsächlich in den Katharinensaal. Die Kremlherren kommen und gehen, aber unsere Staubsauger saugen immer noch!»

Interview: Jens Albes, dpa



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