Der E-Mail-Roman von 2006 verkaufte sich millionenfach, Glattauer avancierte zum Erfolgsautor. Die Konstellation Frau-Mann ist auch in «Ewig Dein» die gleiche - trotzdem verlässt die Geschichte schon bald den Wohlfühl-Kurs. Für die gemütliche Sonntagnachmittag-Lektüre auf dem Sofa taugt das Buch nur bedingt.
Judith, Mitte 30 und Männer-abstinent, lernt Hannes an einer Wiener Käsetheke kennen. Er trifft sie wieder, rein zufällig natürlich, und überschüttet sie mit Komplimenten, «die kaum ein Gesichtsmerkmal, einen Körperteil oder einen inneren Wert Judiths ausließen».
Glattauer unterteilt seinen 206 Seiten langen Roman in 15 Phasen. In Phase 3 erreichen Judith und Hannes den Status eines Paares, begleitet von den großstadtüblichen Bindungsängsten - bei Judith. Hannes ist anders. «Er liebte und liebte und liebte und liebte. (...) So sehr. "Über alles" war nur ein Bruchteil davon. (...) Sie war im Schlepptau seiner emotionalen Hochgebirgstouren.»
Judiths Familie betet Hannes an, ihr Freundeskreis verehrt ihn. Nur die Angebetete zappelt angesichts zu vieler Rosen, Ringe und schlechter Küsse bereits in Phase 4. Der Klappentext über den «Liebes-Psycho-Roman» verrät es: So leicht lässt sich Hannes nicht abschieben. Nicht umsonst lautet der Titel «Ewig Dein», wie in Beethovens berühmten Brief an die «unsterbliche Geliebte»: «Ewig dein, ewig mein, ewig uns».
Der Wiener Glattauer (51) promovierte in Pädagogik, arbeitete lange als Journalist und absolviert derzeit eine Ausbildung zum psychosozialen Berater. Sein psychologisches Interesse ist nicht zu übersehen. Zeitweise schreibt Glattauer wie aus dem Kopf seiner Hauptfigur. Es geht um reale und seelische Räume, Angstattacken, Wahnvorstellungen und Therapiegespräche.
Die Idee zu der Geschichte kam mit Stalkingfällen, die er als Gerichtsreporter beobachtet habe, erzählte Glattauer bei einer der ersten Lesungen in Wien. «Ich erinnere mich an einen Prozess, in dem die Frau panische Angst vor einem Stalker hatte. Dabei war der Mann ganz seriös. Die Frau war psychisch schwer angeschlagen. Sie konnte im Gericht nicht wirklich rüberbringen, was tatsächlich passiert war und was sie sich nur einbildete.»
Die Handlung nimmt einige unerwartete Wendungen, auch das Ende wirkt ähnlich wie in «Gut gegen Nordwind» etwas konstruiert. Sprachlich greift Glattauer auch in die Trivial-Kiste. Es geht um «grelle Schreie», «gequälte Seufzer» und hervortretende Backenknochen und Stirnadern.
Die überdeutliche Sprache nimmt ihm die Leserschaft aber wohl nicht übel. Glattauer kann packend und einfühlsam erzählen. «Gut gegen Nordwind» wurde in 40 Sprachen übersetzt, mit der Fortsetzung «Alle sieben Wellen» und weiteren Büchern kommt Glattauer auf drei Millionen verkaufte Exemplare.
Bei Lesungen kommt der schmale Mann mit Brille und wenigen Haaren natürlich und selbstironisch rüber - das mehrheitlich weibliche Publikum ist angetan. Das Etikett «Frauenversteher» liebe er nicht unbedingt, sagt Glattauer. In der Satire-Talkshow «Willkommen Österreich» gestand er allerdings unlängst über seine Jugend und die seines Bruders, eines ebenfalls prominenten Autors: «Ich hab die Frauen immer verstanden, schon mit 17 Jahren - mein Bruder hat sie abgeschleppt.»
Daniel Glattauer
Ewig Dein
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien
208 Seiten. 17,90 Euro
ISBN 978-3-552-06181-1





































