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26.08.2010 12:44 Uhr 0 Kommentare

Türkischer Autor festgenommen

Köln/Istanbul (dpa) Der Kölner Schriftsteller Günther Wallraff hat gegen die Festnahme des türkischstämmigen politischen Autors Dogan Akhanli am Istanbuler Flughafen protestiert.

Akhanli habe in den 80er Jahren als politischer Häftling drei Jahre in einem Militärgefängnis in Istanbul verbracht und wollte nach seiner Flucht nach Deutschland 1991 nun erstmals wieder in die Türkei reisen, sagte Wallraff der Nachrichtenagentur dpa.

Der Autor, dessen Arbeit in der Türkei und auch in Deutschland ausgezeichnet worden ist, müsse sofort freigelassen werden, verlangte der Kölner Journalist («Ganz Unten»). Der Vorwurf, Akhanli sei 1989 in der Türkei an einem Banküberfall mit einem Toten beteiligt gewesen, sei konstruiert. «Bestimmte Kreise der türkischen Justiz nehmen Rache an einem unbequemen Autor, der seit Jahren den Völkermord an den Armeniern thematisiert», meinte Wallraff.

Akhanli wollte seinen kranken Vater besuchen, ist aber am 10. August am Flughafen festgenommen worden und wird jetzt in einer Haftanstalt in Tekirdag festgehalten, schilderte Wallraff. Dabei sei der Menschenrechtler deutscher Staatsbürger und von der Türkei 1998 zwangsausgebürgert worden, betonte er - auch unter Berufung auf Dokumente des Vereins Recherche International, in dem Akhanli Mitarbeiter ist.

Der 1957 in der Türkei geborene Autor hatte sich im Buch «Die Richter des jüngsten Gerichts» mit dem Völkermord an den Armeniern befasst. Sein Roman «Der letzte Traum der Madonna» (2005) wurde von türkischen Kritikern zu einem der zehn besten des Jahres gekürt. In Deutschland wurden seine Projekte für einen offenen Umgang mit historischer Gewalt und für Versöhnung mehrfach ausgezeichnet, etwa vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Dem Kölner Verein Recherche International zufolge wirft die Staatsanwaltschaft dem Autor vor, er sei an einem Raubüberfall vor 21 Jahren auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen. Ein Zeuge, der ihn zuerst belastet habe, habe seine Aussage später zurückgezogen, sie sei unter Folter entstanden. Mehrere Augenzeugen der Tat hätten Akhanli auf Fotos ausdrücklich nicht erkannt. Dennoch seien alle entlastenden Zeugenaussagen vom zuständigen Staatsanwalt nicht an den Haftrichter weitergegeben worden, so dass dieser eine Haftbeschwerde vor einigen Tagen ablehnte. «Der Fall schadet dem Ansehen der Türkei, einem Land, das sich immerhin um die Aufnahme in die EU bemüht», sagte Wallraff.



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