Am Sonntag wurde das Publikum zusätzlich mit einer deutschen Jazz-Ikone erfreut: Hugo Strasser, 89 Jahre jung, verwöhnte die Besucher mit Klarinettentönen, die wohlige Gänsehaut erzeugten.
Neben Max Greger, Kurt Edelhagen, Werner Müller und Paul Kuhn zählt Hugo Strasser zu den Musikern, die der deutschen Big-Band-Musik ein Gesicht gegeben haben, dessen Züge bis heute nicht verblasst sind. Es ist die ewig junge Jazz- und Tanzmusik, die bei der Nachkriegsgeneration Jugenderinnerungen aufkeimen lässt und viele junge Menschen durch Dynamik und fetzigen Sound begeistert. Es sind Kompositionen und Arrangements, die den Interpreten Raum für eigene Ideen und virtuose Gestaltung lassen.
Sprossen der Tonleiter
Die brillanten Soli, die präsentiert wurden, untermauerten dies. Allen voran Marco Plitzner, der mit Saxophon und Klarinette die Sprossen der Tonleiter in atemberaubenden Kombinationen und in lupenreiner Intonation auf- und abmarschierte.
Sympathisch und trotz seiner fast 90 Jahre jugendlich frisch: Hugo Strasser. Er kokettierte mit seinem Alter, versprühte Charme und Witz beim Erzählen von Anekdötchen aus seiner bunten Musikergeschichte. Als er zur Klarinette griff und zart schmelzend »Misty« von Errol Garner interpretierte und im Trio mit Plitzner und dessen Ehefrau Ninette Soyez den Raum mit dem melancholisch-schönen »Creol Love Call« von Duke Ellington durchzog, gab es feuchte Augen und anschließend brausenden Applaus. Mit »Petit fleur«, einem Jazz-Standard für Klarinette, bekannt geworden durch die Chris Barber Band, verabschiedete sich Hugo Strasser unter anhaltendem Beifall.
Seine herausragende Qualität zeigte das Blue Moon Orchestra mit dem wunderbar fetzigen »Sing, sing, sing…« des legendären Benny Goodman, angereichert mit einem fulminanten Trommelsolo von Tobias Schirmer und nicht weniger brillanten Soli der einzelnen Instrumentalgruppen. Während Goodmans »Sing, sing, sing…« oder die »Moonlight-Serenade« von Glenn Miller ohne Vokalstimmen auskommen, so sind sie bei anderen Stücken wie »Goody, goody«, »Everybody loves somebody« , »Don’t sit under the apple tree« oder »My funny Valentine« nahezu unverzichtbar. Hier waren Evelin Mahjour, Frank Langer und Sandra Härtl - mal im Trio, mal als Duo und auch im Solo - zur Stelle und erfüllten ihre Aufgabe mit Bravour.
Ganz nebenbei erfuhren die Zuhörer noch einen Menge über die Geschichte der Swing-Musik, über Komponisten und Interpreten und wie so manches Stück entstanden ist. Es war eine locker eingestreute Moderation, die der Musik nicht die Schau stahl. Ebenso wohl dosiert waren die witzigen Show-Elemente von Lars Günther und Lothar Beierlorzer als »Laurel und Hardy«.
Zum Schluss gab es dann noch ein kleines Betthupferl: Trompeter Uli Böhm und Sängerin Evelin Mahjour verabreichten »Uncle Satchmo‘s Lullaby« so authentisch, dass die Szene aus dem im Jahr 1959 ausgestrahlten Film »La Paloma« mit Louis Armstrong und Gabriele Clonisch gegenwärtig wurde.
»Es war richtig schön - ein Teil meiner Jugend ist heute wieder lebendig geworden«, sagte eine 70-jährige Dame beim Verlassen des Saals und lächelte entrückt. Ruth Weitz



































