Klavierquartette in fester Besetzung - und das über Jahre hinweg - haben Seltenheitswert, das Fauré-Quartett ist schon seit 15 Jahren beisammen, hatte schon einmal vor elf Jahren einen Auftritt in der Städtischen Musikschule und hat es in dieser Zeit zu einem der renommiertesten Kammermusikensembles gebracht.
Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur begann mit einer ruhigen und verhaltenen Einleitung, in der jedoch schon das leichte Vibrieren beunruhigte, das vom bevorstehenden Ausbruch des markanten Hauptthemas kündete. Die Ecksätze sind geprägt durch energischen Zugriff, scharfkantige Akzente, durch leidenschaftliches in Steigerungen angeheiztes Vorwärtstreiben, das durch das Pulsieren der Akkorde am Klavier forciert wird. Der 4. Satz rast in mörderischem Tempo gar nicht »romantisch« die Skalen rauf und runter. Hier spürt man das Feuer, das Schumann antreibt, wohingegen der lyrische Zwischenteil und das Innehalten des ersten Satzes sowohl Zuhörern wie Spielern erlauben, kurz Luft zu holen, bevor die vier Musiker sich kopfüber wieder in das verzehrende Feuer stürzen.
Wie es zu einer poetisierenden Schilderung des Es-Dur Quartetts kommt, wie die Musiker dabei vorgehen: Das lässt sich exemplarisch bei den beiden Eingangssätzen der zweiten Komposition, Brahms' Klavierquartett in A-Dur zeigen. Es ist ein eigenartiger Beginn, fast improvisierend, kein wirklich griffiges Motiv, und da - plötzlich - kommt es zur Explosion, zum kraftstrotzenden Klavier- und Instrumentalsatz von Brahms mit seinem machtvollen und zugleich wohlig-samtenen Klang. Diese »Explosionen«, in denen diese kontrastreiche Partitur ausgelebt wird, gelingen nur durch ein Höchstmaß an innermusikalischer Kommunikation, gelingen nur durch gemeinsames Fühlen und Atmen. Man muss nur die Blicke und Gesten zu deuten wissen. Erika Geldsetzer an der Violine ist das Kommunikationszentrum, Dirk Mommertz am Flügel spielt klar und prägnant, deckt nichts mit dem Pedal zu und orientiert sich immer wieder durch seinen Blick an der Geigerin, die auch Orientierungspunkt für Viola und Cello ist. Jeder bringt seine Individualität ein, Konstantin Heidrich am Cello den schwärmerischen Klang und die mitunter leicht ironische Haltung, Sascha Frömbling (Viola) die Emphase in den lyrischen Passagen.
Vergleichbares geschieht im zweiten Satz, in dem wunderbare Sehnsucht (Dur) und abgrundtiefe Verzweiflung (Moll) mit ihren Seufzern Klang werden. Wenn man nicht wüsste, dass Brahms hier eine glühende, romantische Liebeserklärung an die unerreichbare, verheiratete Clara Schumann abgegeben hat - man würde es dennoch hören und »wissen«. Das Geheimnis der überwältigenden Darbietungen bleibt immer die Verbindung des scheinbar Gegensätzlichen, die Gleichzeitigkeit von gemeinsamem Fühlen und der Ausdruck einzigartiger Individualität, die Fähigkeit, absolute Leidenschaft mit perfekter instrumentaler Kontrolle zu verbinden.
Die Zuhörer haben das gespürt, gehört, gefühlt. Man kann nur hoffen, dass das nächste Konzert nicht erst wieder in elf Jahren stattfindet.
Werner Ziegler


































