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12.03.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Bayerns bösen Buben ist gar nichts heilig

Die Biermösl Blosn haben auch nach 30 Jahren auf der Bühne nichts von ihrer Beliebtheit verloren

Wertheim  Seit über 30 Jahren werden sie »vom Volk geliebt und von der Obrigkeit gefürchtet«.

Vom Volk geliebt: die Biermösl Blosn. Foto: Peter Riffenach
Dass die Biermösl Blosn im Laufe der Jahre nichts von ihrer Beliebtheit verloren hat zeigte sich sehr eindrucksvoll am Mittwoch in der ausverkauften Aula Alte Steige in Wertheim, wo die Brüder Hans, Michael und Christoph Well für ihre gelungene Mischung aus Kabarett- und Heimatabend, spitzem Humor und hintergründigem Witz gepaart mit musikalischer Virtuosität begeistert gefeiert wurden.
Sie sind schon etwas älter geworden, sowohl die Brüder Well, alle inzwischen jenseits der 50, als auch ihr Publikum, das ebenfalls mehrheitlich zur Generation 50plus gehört, doch die Freude an frechem Kabarett verbunden mit guter Musik ist sowohl den Akteuren als auch den Konsumenten geblieben.
Nichts und niemand ist den drei Spöttern heilig, die trotz ihres gesetzten Alters immer noch »Bayerns böse Buben« sind. Und dass sie aus Bayern kommen ist unüberhörbar, denn der Zungenschlag ist selbst wenn man unmittelbar jenseits der Grenze lebt nicht immer verständlich. So kündigen die Akteure auch zu Beginn an: »Wer das folgende Lied nicht versteht, « Und zum Einstieg machen die drei deutlich, dass sie sich mit dem Ort ihres Auftritts im Vorfeld auseinander gesetzt haben und bieten einige gelungene Spottverse auf Wertheim Village, das hier geplante »Raubritterland«, Kaufland, den Schrägaufzug zur Burg und die »Hochwasserschutzersatzmaßnahmen«.
Auch wenn die Begleitmusik viel gemein hat mit dem, was man ansonsten auf einem typischen bayerischen Heimatabend zu hören bekommt, so unterscheiden sich die Texte doch enorm von solchen Veranstaltungen. So haben sich die Kabarettisten besonders die CSU-Obrigkeit sowie den bayerischen Filz als Lieblingsfeind auserkoren. Doch ebenso die katholische Kirche, die Bayerische Landesbank sowie die Bauern und ihr ständiges Gejammer sind Ziele der satirischen Lieder des Trios.
Auch wenn die Scherze schon einige Jährchen auf dem Buckel haben, kommt doch der bissige Spott auf Edmund Stoiber, der zwischen »Angela der Gerissenen« und »Gerhard dem Gefärbten« zerrieben wurde, beim Publikum nach wie vor gut an. Und die Aussage »eher wird ein Bayer Papst als ein Bayer Kanzler« findet jenseits des Weißwurstäquators noch mehr Zustimmung.
Die Well-Brüder sind nicht nur Könner des politischen Kabaretts, sondern auch des gehobenen Klamauks. So nehmen sie in einer gelungenen deftig-komischen Mischung die allerdings niemals den Weg des guten Geschmacks verlässt, die Menschen in ihrem ländlichen geprägten Heimatort auf die Schippe. »Von då dahoam« oder »Moschee in Riad (Ried)« sind eindrucksvolle Beispiele für die liebevoll-humoristische Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der niederbayerischen Provinz 45 Kilometer westlich von München, wo das rabenschwarze Herz des weißblauen Freistaats schlägt. Viel Spaß hat das Publikum wenn sich die drei dabei zu einem zünftigen Schuhplattler hinreißen lassen.
Überraschend für viele Zuhörer aber ist an diesem Abend mitzuerleben, dass das die Künstler aus Hausen bei Fürstenfeldbruck nicht nur Meister des Humors sondern auch veritable Musiker sind. Die Qualität des Spiels beim »Divertimento Bavarese«, dem »Drehleier Dreier« oder einem dreisätzigen Werk auf die Liebe zwischen Bruno und Flocke ist beeindruckend und wäre sicher für jeden Konzertsaal geeignet.
Besonders beeindruckend ist dabei die Zahl der Instrumente, die vor allem Christoph Well hervorragend beherrscht. Besonders als Trompeter, Harfenist und Flötist weiß er zu glänzen. Aber auch Michael Well beherrscht alle Varianten der Tuba auf Philharmoniker-Niveau.
Entsprechend groß war der Jubel nach einem zweieinhalb Stunden langen, aber überaus kurzweiligen Abend. Bei vielen Zuhörern war im Anschluss der Wunsch hörbar, wann nach den Brüdern Well auch ihre drei ebenfalls nicht mundfaulen Schwestern, die unter dem Namen Wellküren firmieren, mal in Wertheim vorbei kämen.

Peter Riffenach

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