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14.03.2008 00:00 Uhr 0 Kommentare

Was sie sich zu sagen haben

Schüler-Senioren-Projekt "Heimat ? fremde Heimat" am Staatstheater Darmstadt

Darmstadt Junger Türke trifft deutsche Rentnerin: Das klingt nach Ärger. Vorurteil oder bittere Realität? Das Theaterlabor Darmstadt wollte den Test und brachte Jugendliche mit Migrationshintergrund und in Darmstadt geborene und verwurzelte Senioren zusammen ? zwei Gruppen, die sich oft nichts zu sagen haben. Die Theaterlabor-Regisseure Max Augenfeld und Nadja Soukup wollten die Kommunikation ? und ein Ergebnis, den Versuch einer Gemeinsamkeit. In monatelanger Arbeit ist das gelungen: Am Samstag hat "Heimat ? fremde Heimat" im Staatstheater Darmstadt Premiere.
Im Stück spiegelt sich der Alltag der 30 Mitwirkenden; die Geschichte ist in einem wochenlangen Prozess entstanden und wurde von der Göppinger Theaterautorin Luise Rist in einen Text gegossen. Seit September hatten sich Senioren und Jugendliche dafür mit dem Begriff "Heimat" auseinander gesetzt, hatten diskutiert, erzählt und ein Stück ihrer Heimat ? Essen, Alltagsgegenstände ? mit zu den Treffen gebracht. Die Anregungen und Erfahrungen fließen im Stück ineinander mit individuellen Assoziationen Rists, die Regisseur Augenfeld wegen ihrer melancholisch-poetischen Sprache schätzt und an der ihm während des Projekts ihr Engagement und ihre Präsenz positiv auffiel. "Einige der Sätze stammen aber von den Jugendlichen", sagt er, "darauf legen sie großen Wert".

14 Jahre ist der jüngste, 91 Jahre der älteste der Laien-Schauspieler alt; insgesamt 20 Jugendliche mit Migrationshintergrund ? Schüler Darmstädter Schulen ? und zehn aus Darmstadt stammende Senioren machen bei dem interkulturellen, generationenübergreifenden Projekt mit. Eine der entdeckten Gemeinsamkeiten, die im Stück verarbeitet ist, ist der Verlust ? von Gefühlen, der Muttersprache oder eines Orts. Die Szenen spielen in der Disco, der Straßenbahn, auf den Straßen Darmstadts. Vergangenheit spielt hier ebenso eine Rolle wie die Gegenwart und die multikulturelle Vielfalt: Sätze fallen in acht Sprachen, darunter polnisch, arabisch und russisch.

Für das Projekt kooperierte das Theaterlabor mit der Akademie 55plus und dem Staatstheater ? ein Novum für die Regisseure, die ihre Erfahrung mit jungem Publikum und politischen Themen einbrachten. Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem 2007 implementierten Aktionsprogramm "gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" des Bundesministeriums für Familien, Frauen und Jugend. Darmstadt ist eine von drei hessischen Kommunen, die gefördert werden: Die Stadt hat den bis August laufenden "lokalen Aktionsplan Darmstadt für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" mit 13 Projekten auf die Beine gestellt. Das Theaterstück "Heimat ? fremde Heimat" ist eines davon, daneben werden Fußballturniere, Lesungen und Schulprojekte organisiert.

Acht Termine stehen am Theater fest; weitere sollen in Darmstädter Schulen folgen. Wenn es sich organisieren ließe, spielte man auch an Orten außerhalb Darmstadt, sagt Regisseur Augenfeld. Susanne von Mach

INFO: Premiere Samstag, 15. März, 20 Uhr, Sonntag, 16., 16 Uhr, Montag bis Mittwoch, 17. bis 19. März, jeweils 11 und 20 Uhr, Restkarten unter 0 61 51 / 28 11 60 0

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