Schlicht, fast karg ist die Szenerie, in die Regisseur Martin Otava und Bühnenbildner Jan Zavarsky Richard Wagners »Fliegenden Holländer« gesetzt haben, mit dem die Tschechische Oper Prag am Mittwochabend in der Aschaffenburger Stadthalle gastierte.
Minimalistisch, allenfalls mit der Symbolkraft der Farben spielend, bleibt die Szenerie bis zum Schluss, wenn Senta in ihrem Krankenzimmer stirbt. Denn sie ist es, die während der Ouvertüre dem weißen Bett entsteigt und das Bild des Seefahrers, das den »Fliegenden Holländer« darstellt, anhimmelt. Krankenschwestern betreten den Raum und zwingen Senta, Medizin zu nehmen. Sie tut es, legt sich ins Bett und schläft ein.
Düsterer Kasten
Durchaus schlüssig wählt Otava diese Rahmenhandlung, in der sich Senta, die der Legende um den Holländer regelrecht verfallen ist, alles nur erträumt. Die Farbe weiß, die nicht nur für das Krankenzimmer, sondern auch für Senta steht, fällt in Gestalt der bühnenhohen weißen Vorhänge zu Boden: Der helle Raum wird zu einem düsteren Kasten, in dessen Hintergrund die Matrosen sich um ihren Steuermann gruppiert haben. Am schwarzen Nachthimmel zieht langsam ein blutrotes Segel auf: der fliegende Holländer betritt die Szenerie.
Im Unterschied zu den altmodischen Kostümen der restlichen Solisten sowie der Chöre, hat Ales Valasek den Holländer in schwarze Lederhosen und einen bodenlangen schwarzen Ledermantel gekleidet. Lediglich der leuchtend rote Sweatshirt-Rolli, der unter dem schwarzen Seemannspullover hervorschaut, ist ein Farbtupfer. Richard Haan spielt und singt einen mondänen, edlen Holländer, der erschöpft wirkt ob seiner alle sieben Jahre wiederkehrenden Suche nach einer treuen Frau, die für ihn in den Tod geht und ihn dadurch von seinem Schicksal erlöst. Er droht an seinem Fluch zu zerbrechen, doch als der Kapitän Daland ihm von seiner Tochter Senta erzählt, erwacht im Holländer wieder die Hoffnung. Dass Haan seinem Bariton einen dämonischen Beiklang verleiht, passt perfekt. Einzig sein schlecht zu verstehendes Deutsch mindert etwas den Genuss.
Zu angestrengt
Nicht überzeugen kann José Montero als Steuermann: zu angestrengt arbeitet er sich in die Höhen empor, zu nasal klingt sein Tenor. Auch Nikolaj Visnakov als Sentas Geliebter Erik ist keine gelungene Besetzung: zu schmalzig, zu verschnörkelt ist sein Gesang, der mitunter eher an ein Schreien erinnert. Welche Wohltat sind da der klar akzentuiert singende und hervorragend zu verstehende Daland (Ivaylo Guberov) und Senta! Annette-Yasmin Glaser gelingt es ausgezeichnet, die ambivalent angelegte Rolle der (geistes-)kranken Frau auf der einen und der leidenschaftlich nach Liebe Suchenden auf der anderen Seite auszufüllen. Ihr Sopran strahlt in der düsteren Szenerie.
Ein weiterer Höhepunkt der Inszenierung ist der Chor der Mädchen, die blutrote Wolle spinnen und insgesamt deutlich agiler und nicht so statisch wie der Männerchor agieren. Auch wenn die schauspielerische Leistung insgesamt eher dürftig war und ein Großteil der Arien, Balladen und sogar Duette an der Rampe stehend gesungen wurde, konnte sich die musikalische Seite des Abends hören lassen. Norbert Baxa dirigierte sein gut aufgestelltes Orchester - nach einigen anfänglich zu lauten Passagen - sicher und einfühlsam.
Zum Schluss stirbt Senta von allen allein gelassen in ihrem Krankenbett. Ebenso wenig wie der Holländer hat sie in der Liebe Erlösung gefunden. Aber war es wirklich Liebe? Oder war es nur ein Traum?
Nina-Anna Beckmann



































