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19.10.2007 00:00 Uhr 0 Kommentare

30. November 2007: Wieder Bombe an der A3

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sorgte gestern für kilometerlange Staus

30.11.2007 - Aschaffenburg Wieder eine Bombe an der Autobahnbaustelle bei Aschaffenburg: Gestern um 10 Uhr sind Experten einer Kampfmittel-Beseitigungsfirma auf einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Am Nachmittag entschärfte das Sprengkommando Nürnberg die Bombe. Die A3 war stundenlang gesperrt. Staus bis zu 20 Kilometern Länge forderten den Autofahrern Geduld ab.

Vor fünf Wochen war ein Arbeiter an der A3 ums Leben gekommen, als er mit seiner Baumaschine über eine Weltkriegsbombe fuhr. Die Unglücksstelle liegt nur 250 Meter entfernt vom Ort, wo gestern der weitere Blindgänger entdeckt wurde.

»Keine Komplikationen« meldet Sprengmeister Karl-Heinz Wolfram um 16 Uhr. Er hat die Bombe entschärft. Sie liegt 5,70 Meter neben der alten Trasse in einer Tiefe von 2,80 Metern. Wolfram geht davon aus, dass der am 23. Oktober explodierte Sprengkörper und die jetzt gefundene Bombe vom selben gängigen Typ sind: eine englische Fliegerbombe MC 500, fünf Zentner schwer, ein Zünder, zur Hälfte mit Sprengstoff gefüllt.

25 Minuten hat Wolfram mit seinem Kollegen Lothar Häslein gebraucht, um den Job zu erledigen. Schweißperlen stehen ihm nicht auf der Stirn. »Das war eine normale Arbeit. Es ist schön gegangen«, sagt er in die Mikrofone. Sofort gibt die Polizei den Verkehr wieder frei.

Zweieinhalb Stunden zurück: Ein Radius von 300 Metern muss für die Entschärfung eingehalten werden, hat der Sprengmeister verfügt. Die Autobahn wird gesperrt. Bis 14 Uhr haben Polizisten mehrere Gartenhäuschen und ein Wohnhaus in der Nähe kontrolliert: Mehrere Leute müssen raus aus dem Radius.

Eigentlich soll Wolfram der Bombe jetzt zu Leibe rücken. Dass es bis 16 Uhr dauert, liegt an einem Unfall. Um 13.30 Uhr meldet Karl-Heinz Schmitt, Pressesprecher der unterfränkischen Polizei, dass ein Kleintransporter nicht weit vom Fundort entfernt auf der A3 in Richtung Würzburg in die Mittelleitplanke gekracht ist. Sie verbiegt sich und ragt in die Gegenfahrbahn. Drei Autos, unterwegs in Richtung Frankfurt, prallen dagegen.

Das Problem: Die Unfall-Fahrzeuge stehen im Sicherheits-Radius. Die Folge: Stau, noch längerer Stau. Darin stecken die Brüder Klaus (56) und Walter (58) Jöckel aus Offenbach. Sie wollen nach Ingolstadt. Dort spielt Boris Becker um 19Uhr Tennis. Sie sind gelassen. »Was sollen wir machen?«

Weiter hinten geht Thilo Maul rauchend auf der Autobahn spazieren. Der 42-jährige Verkaufsleiter muss nach Nürnberg. Den Termin um 15 Uhr kann er vergessen. »Für solche Fälle gibt?s ja das Handy«, sagt er. »Wenn?s so weitergeht, fahr ich direkt in den Feierabend.«

Polizei-Einsatzleiter Willi Zwack steht am Bombenfundort. Er telefoniert mit seinen Kollegen an der Unfallstelle. Von der Idee, die Leute im Gefahrenbereich aus den Autos zu holen und dem Sprengmeister grünes Licht zu geben, rückt er ab. Zu riskant, außerdem steht ein Gefahrguttransporter ganz in der Nähe im Stau. Zwack entscheidet: Sperrung zwischen den Anschlussstellen Aschaffenburg-Ost und West. Sicher ist sicher.

In beide Richtungen reihen sich Autos an Lastwagen - jeweils bis zu 20 Kilometern, so die Polizei. Auf der Umleitung in Aschaffenburg: Chaos. Bis der Verkehr auf der A3 wieder fließt, wird?s Abend.

Andreas Mauersberger vom Büro Construktionstechnik mit Sitz in Oer-Erkenschwick koordiniert im Auftrag der Autobahndirektion Nordbayern die Bombensuche. Seit dem Explosions-Unglück im Oktober suchen Experten die Ausbautrasse mit Magnettechnik, Radar und Detektoren nach weiteren Blindgängern ab. Vom Anschluss West bis zur Fahrbachtal-Brücke wurden entlang der Ausbautrasse 80 »Störkörper« gefunden, sagt Mauersberger. Das heißt: 80-mal vorsichtig mit Minibagger und Schaufel graben. Gefunden wurden meist Eisenteile, Schotter oder Schlacke - und eben gestern der Blindgänger.

Die Suche an der Autobahn geht weiter. Zwischen Fahrbachtal und Anschluss Ost haben die Fachleute noch einmal 40 Störkörper geortet. Heute wird wieder gegraben?

Matthias Schwind




 
 
 
 
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