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05.05.2010 12:09 Uhr 0 Kommentare

Günter Guderley: Der Vater des City-Laufs blickt auf die Anfänge der Veranstaltung zurück und wagt einen Blick nach vorn

Interview Günter Guderley ist der Vater des Aschaffenburger City-Laufs. Vor 14 Jahren hat der passionierte Läufer die Sportveranstaltung initiiert, die heuer ihre 15. Auflage erlebt. Dieses Jahr tritt Guderley als Chef des Veranstalters Hypo-Vereinsbank Aschaffenburg ab. Über seine Erfahrungen mit »seinem Kind« und die Zukunft des City-Laufs sprach mit ihm Main-Echo-Redakteur Andreas Schantz.
Hypo-Vereinsbank - Lauf
Aschaffenburg, Innenstadt: Hypo-Vereinsbank - Lauf; v.l. Veranstalter Günther Guderley uns IHK-Präsident Martin Suffel. Foto: Stefan Gregor 07.05.2004 Main-Echo-Fotografen
Welche Erinnerung haben Sie an den 10. Mai 1996?
Damals hat es auch ganz kurz geregnet. Aber dann war es ein wundervoll strahlender Frühlingsabend, der bei der Premiere ein tolles Ambiente mit über 400 Finishern gezaubert hat. Das ließ das erste Mal erahnen, was sich später dann aus dem City-Lauf entwickelt hat. Ich erinnere mich auch, dass an diesem Tag Normann Stadler aufgetaucht ist, der spätere zweifache Gewinner des Iron Man Hawaii, und gesagt hat, ich will da mitlaufen. Er war damals schon Duathlon-Europameister. Ich war begeistert, dass so jemand zu uns, zu einem Erstling kommt.

Welche Idee lag dem City-Lauf zugrunde?
Nicht wissend, dass es einmal einen Staffellauf rund um die City als Schülerlauf in Aschaffenburg gegeben hat, bin ich jeden Morgen als Neubürger zur Arbeit durch die Stadt gefahren und habe mir als passionierter Läufer gedacht: Das offene Schöntal und diese schönen Straßen rund um die Bank bieten sich für eine Laufveranstaltung an. Und dann kam mir der Gedanke, einen Lauf durch die Stadt am Freitagabend zu organisieren. Diesen Vorschlag habe ich mit und über Karl-Heinz Gerdsmeier, den leider verstorbenen Sportamtschef der Stadt Aschaffenburg und ehemaligen Ringer, der mir die Idee an den Augen abgelesen hat, bei Oberbürgermeister Dr. Reiland platziert. Die beiden haben mir dann den Weg geebnet. Wobei ich ehrlich sagen muss: Das, was der City-Lauf heute ist, habe ich damals auch nicht so gesehen. Dass wir so in den Zeitgeist gepasst haben, war nicht erkennbar.

Am 7. Mai ist die 15. Auflage der Veranstaltung. Was ist Ihnen bei all den Läufen besonders in Erinnerung geblieben?

Einmal abgesehen vom Sportlichen, gibt es für mich drei unvergessliche Momente. Da ist das Abbruchszenario vor zwei Jahren (wegen eines Unwetters, d. Red.), das mich Kraft und Nerven gekostet hat. Es ist aber auch mit der Erkenntnis verbunden, das Richtige getan zu haben, da der Herrgott, oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, die Schleusen wieder geschlossen hat und wir weiter machen konnten. Das Zweite, was mich sehr betroffen gemacht hat, war unser medizinischer Notfall zwei Jahre zuvor. Durch das beherzte Eingreifen zweier mitlaufender Ärzte wurde dem jungen Mann das Leben gerettet, der, wäre er allein im Schönbusch unterwegs gewesen, gestorben wäre. Da hat man gesehen, wie nahe Freud und Leid liegen. Und dann ist für mich jedes Jahr ein Erlebnis, wenn der erste Lauf startet. Wenn die ersten Mädchen oder Jungs, die ersten 500 auf die Piste gehen. Die Begeisterung, die man da spürt, der Schub, ist für mich das Größte.

Die Veranstaltung ist etabliert, hat sich aber mit den Jahren gewandelt. Anfangs ein reiner Erwachsenenlauf, ist der City-Lauf mittlerweile von den Schülerläufen und den vielen Firmengruppen geprägt. Wo wird der Schwerpunkt künftig liegen?
Das weiß ich auch nicht ganz genau. Wir müssen sehen, wohin geht die Entwicklung im Laufsport insgesamt geht. Wir reden jetzt über eineinhalb Jahrzehnte. Und es war Mitte der 90er Jahre nicht absehbar, dass es diese Bewegung in den Firmen geben wird. Das haben zwar die Trimm-Trab-Bewegung, die AOK und alle Möglichen immer wieder einmal versucht, aber mittlerweile hat sich das fast von alleine durchgesetzt. Man geht gemeinsam zum Laufen, macht einen Betriebsausflug zu einer Laufveranstaltung. Wir haben mittlerweile Teilnehmergruppen wie Takata-Petri, oder Ciba Vision die 60, 70 Leute und mehr an den Start bringen. Ich glaube, dass das noch eine ganze Weile weitergeht und vielleicht sogar gewisse weitere Entwicklungen auf der Firmenseite hat, dass es breiter wird. Ich begrüße das sehr. Das Kinderthema war immer meins. Und ich finde diese Mischung aus Schule und Breitensport und so ein bisschen Spitze, ein bisschen internationales Flair, es ist ja nicht die Weltspitze, es ist die zweite, zweieinhalbte Garnitur, sehr attraktiv. Vor allem wollte ich auch etwas für die lokale Szene, für die unterfränkische Szene tun. Da, glaube ich, haben wir noch Entwicklungspotenzial.

Was uns noch nicht gelungen ist - die Lösung dafür weiß ich auch noch nicht - ist, wie wir den Übergang von den vielen Schülertalenten zu den Junioren schaffen. Wenn man sieht, wie jämmerlich es von dem letzten Schülerjahrgang (bis 15 Jahre) zur B-Jugend (ab 16 Jahre) wird, das ist schrecklich. Das tut mir in der Seele weh. Dabei gibt es so viele gute Schüler, dann kommt die pubertäre Phase und andere Interessen spielen eine größere Rolle. Da fehlt uns ein Konzept, möglicherweise auch mit den Vereinen zusammenzuarbeiten. Da könnte man noch mehr tun. Wir haben ja eine ganze Menge Lauftalente aus der City-Lauf-Bewegung heraus entwickelt. Aber es ist noch zu wenig.

Wer fällt Ihnen da spontan ein?

Nehmen Sie Andreas Heilmann, der ein Kind des City-Laufs ist. Der studiert jetzt in Harvard und ist jüngst 2:39 Stunden beim Boston-Marathon gelaufen und eine Woche zuvor 1:10 beim Massachusetts-Halbmarathon. Heilmann ist unter anderem von uns zum Laufsport motiviert worden. Und da gibt es eine ganze Reihe, nicht nur Spitzenläufer, auch Breitensportler, die dauerhaft beim Laufen geblieben sind, weil sie den Kick, sich zu beweisen erstmals beim City-Lauf erlebt haben und die 45 Minuten nicht nur auf unserem Kurs (7,9 Kilometer, d. Red.), sondern nun auch über 10 Kilometer laufen können.

Für 2011 liegt eine Zusage vor. Aber wie sieht es mit der weiteren Zukunft des City-Laufs aus?
Es ist immer schwierig, bei etwas, das Geld und Kraft der Mitarbeiter kostet, weit in die Zukunft zu schauen. Ich scheide zwar aus dem Unternehmen zum Jahresende aus, aber die Perspektiven für diesen Lauf sind im Unternehmen besser denn je. Einfach weil wir es geschafft haben, die Plattform City-Lauf dort zu verankern. Ich habe das Kind, mein Baby, jetzt in die Pubertät geführt, bis zur Volljährigkeit sehe ich es ungefährdet. Und dann muss man weitersehen.

Damit verbunden ist auch die Frage, was macht Günter Guderley künftig?

Das ist geklärt. Mit Wirkung zum 15. Mai bin ich kein Funktionsträger der Hypo-Vereinsbank hier in der Stadt mehr, mein Nachfolger Patrick Gehres ist dann ganz alleine operativ verantwortlich. Ich werde dann mein Büro räumen und habe freie Zeit bis zum Ende des Jahres und scheide zum 31. Dezember offiziell aus. Das heißt, ich bin 2011 kein Partner des City-Laufs als Bankchef mehr. Aber ich habe versprochen, als Sportlicher Leiter, als Renn-Direktor ohne Vertrag mit der Bank die Veranstaltung zu begleiten und auch die sportliche Verantwortung zu übernehmen. Ich werde sicherstellen, dass der sportliche Input so bleibt wie er ist und moderat weiterentwickelt wird.

Zur Person: Günter Guderley

Alter: 57
Geburtsort: Nürnberg
Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Kinder (sowohl seine Frau Marion als auch die Kinder laufen ebenfalls)
In Aschaffenburg seit: 1992
Beruf: Bankkaufmann
Persönliche Erfolge: 125 Läufe über die Marathondistanz (69) und länger gefinisht, darunter fünfmal den 100-km-Lauf im schweizerischen Biel und einmal den Deutschlandlauf. 450 erfolgreich beendete Wettkämpfe (zuletzt am 17. April der 10-km-Lauf in Hemsbach)
Bestzeiten: Marathon: 2:42,06 Stunden (1988), 2:58 Stunden als 50-Jähriuger in Berlin. – 10 Kilometer (Straße): 34:42 (1987).
Schönster Lauf nach dem City-Lauf Aschaffenburg: New-York-Marathon (»Was für die Wagner-Fans Bayreuth ist, ist für einen Läufer New York«), dreimal gefinisht
Wöchentliches Laufpensum: deutlich reduziert, früher 80 bis 90 Kilometer
Nächstes sportliches Vorhaben: Mit dem Fahrrad von Gibraltar nach Goldbach




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